
Der Monatsimpuls für den Mai kommt mit reichlich Verspätung. Gerade habe ich es noch geschafft, ihn in der letzten Woche des Monats zu schreiben und dann kam, wie so oft im Mai, etwas dazwischen. Dieses Mal aber etwas Positives: Wir hatten unsere kurze Auszeit um zwei Tage verlängert und ich habe die Tage offline sehr genossen.
Der vergangene Monat war packevoll. Ich war sehr viel unterwegs mit Kundenseminaren und Workshops, die natürlich alle vor- und nachbereitet werden wollen. Und wieder einmal hatte ich mir meinen Kalender so voll geplant, dass kaum Zwischenräume darin vorkamen – weder zur ausreichenden Erholung noch für Musezeiten, um dir sinnvolle Impulse zu schreiben.
Nach dem letzten Seminar hat mein Körpersystem dann entschieden, dass jetzt mal eine kleine Pause dran ist und mich für ein paar Tage in ein Erholungsaus mit einer Erkältung geschickt.
Das, was ich so oft meine Kunden und den mir lieben Meschen empfehle, habe ich dieses Mal nicht für mich selbst umgesetzt. „Ja, das war eine Ausnahme“ und „Manchmal erfordern es eben die Umstände“. Doch wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, hat mich mein altes Muster wieder eingeholt und ich sollte aufhören, mich selber zu beschummeln.
Warum schreibe ich das so ausführlich, wo es doch um meine aus dem Ruder gelaufene Terminplanung ging. Vielleicht kennst du das? Du hast dir fest vorgenommen, ab jetzt etwas anders zu machen, dein Verhalten zu ändern. Du bist auch hoch motiviert dazu. Und dann passiert es doch wieder und du rutschst in deine alte Gewohnheit, die du doch abstellen wolltest, weil du weißt, dass sie dir nicht mehr gut tut.
Darum geht es im heutigen Impuls:
Wie schaffst du es, deine Gewohnheiten und Muster zu durchbrechen?
Denn das, was uns meistens davon abhält, unsere Veränderungsvorhaben umzusetzen, sind eben unsere bisherigen unbewussten Muster – ganz gleich, ob sie förderlich oder hinderlich für uns sind. Stell dir das so vor, wie einen Autopiloten, der dich im Alltag steuert. Das ist im Grunde genommen gut, weil er dir viel mühsame Arbeit abnimmt.
Du entscheidest einfach immer nach demselben Schema, ohne viel darüber nachzudenken. Das spart dir enorm viel Energie. Schwierig wird es nur dann, wenn du nach einem neuen Schema handeln möchtest, aber dein Autopilot noch nicht umprogrammiert ist. Das erzeugt erstmal in deinem Unterbewusstsein Stress. Und da es dich davor schützen will, wird das alte Programm wieder aktiviert. Das kennt dein System ja.
Und hier ist der Schlüsselmoment: Du brauchst etwas, was dir genau dabei hilft, das alte Pgoramm zu stoppen. Etwas, das dich ermächtigt, wieder selbst das Steuer in die Hand zu nehmen und einen anderen Kurs einzuschlagen.
Viktor Frankl, der Begründer der positiven Psychologie hat dazu den für mich entscheidenden Satz geprägt:
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“
Es geht also im Kern darum, dass du aus dem unbewusst laufenden Reiz-Reaktions-Schema aussteigst, bewusst neu entscheidest und damit ein neues Programm für dich etablierst. Und zwar ganz unabhängig davon, um welche Veränderung es gerade bei dir geht.
Du brauchst also ein Werkzeug, das dir dabei hilft, das automatische Programm zu unterbrechen.
Das Wichtigste ist, dass du dir ein ganz konkretesSignal zur Unterbrechung setzt und beachtest.
Verstehe das wie ein inneres Stopp-Signal, das dich ganz kurz zum Innehalten bringt, bevor du dein bekanntest Muster fortsetzt.
Hier sind drei Anregungen, die den Autopiloten in deinem Gehirn stoppen können:
- Die 3-Sekunden-Regel: Zähle vor einer Reaktion im Kopf langsam bis drei. Diese kurze Verzögerung blockiert den ersten, oft impulsiven Reflex.
- Körperliche Verankerung: Richte deine Aufmerksamkeit bei emotionalem Stress auf deine Fußsohlen. Spüre den festen Kontakt zum Boden, um dich im Hier und Jetzt zu erden. Dann handler erst.
- Metakognition: Benennen deine Gefühle im Geist, ohne dich damit zu identifizieren (z. B. „Ich spüre gerade Ärger“ statt „Ich bin wütend“). Das schafft emotionale Distanz zum Reiz und verzögert dadurch die automatische Reaktion.
Es gibt noch eine Menge anderer Möglichkeiten: Tief durchatmen, aus dem Fenster schauen, im Geist ein Schlüsselwort aufsagen,… Finde heraus, was für dich hilfreich ist, um den Zwischenraum für deine Veränderung zu nutzen.
Mein Tipp: Lege dir ein oder zwei Rituale zurecht, auf die du immer wieder relativ schnell und einfach zurückgreifen kannst. Kleine Rituale, die großes bewirken können.
Der Bewusstseinstrainer Joe Dispenza hat ein für mich passendes Bild dazu entworfen: Bei einer Veränderung willst du vom einen (bekannten) zum anderen (neuen) Ufer eines Flusses. Dazu musst du lernen, den Fluss zu überqueren. Anders wird es nicht funktionieren. Der Fluss ist der Zwischenraum. Lerne, ihn zu überqueren und für dich zu nutzen!